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Vor ungefähr 20
Jahre war die Idee, den Motor meiner Emme (TS
250/1) von Luft auf Wasserkühlung umzubauen. Es
gab niemals Probleme mit der Temperatur bei so
einem Motorrad. Da stellt sich die Frage, warum
man so eine blöde Idee auch noch umsetzt? Alle
beschriebenen Bauteile sind unter Bilder
zur Geschichte zu sehen. Die Antwort
Die Idee hatte
mich nicht losgelassen, also musste sie umgesetzt
werden. Und damit fingen die Probleme an.
Nebenbei hatte man auch noch etwas Besonderes und
Schönes geschaffen und sich selber und anderen
was bewiesen: das Blödsinn auch ganz schön sein
kann!
Der Kühler
Der Kühler wurde
aus einem alten Barkas-Kühler angefertigt. Er
wurde in der Höhe und Breite eingekürzt. Die
Größe wurde durch das Gefühl und Augenmaß
bestimmt. Man hatte keine Maße, auf die man
zurückgreifen konnte.
Der Zylinder
Die Außenkanten
des Zylinders wurden begradigt, um gerade
Flächen zu bekommen und das 2 mm dicke
Aluminiumblech nicht der bauchigen Form des
Zylinders anzupassen. Und es wurden ein paar
Kühlrippen so gekürzt, damit das Kühlmittel
daran vorbei fließen kann. Es wurden die Bleche
angefertigt, mit dem der Zylinder umschweißt
werden sollte. Nach dem die Bleche angefertigt
waren, wurden ein Loch in das rechte und eins in
das linke Blech gebohrt; für die Rohrstücken
(Schlauchanschlüsse) die aus Aluminiumrohr
angefertigt wurden. Nach dem der Zylinder,
Schlauchanschlüsse und Bleche fertig bearbeitet
waren, war das nächste Problem das Schweißen.
Es gab mir zu der Zeit keine Möglichkeit,
Aluminium zusammenzufügen. Außerdem sollte das
Kühlmittel auch noch durch den Zylinder und den
Kühler fließen. Auf das Thermosiphonprinzip
(Wärme nach oben und Kälte nach unten) wollte
man sich nicht verlassen, also brauchte man noch
eine Wasserpumpe. Eine vom Motor mechanisch
angetriebene Wasserpumpe war mir nicht möglich
anzufertigen. Also musste eine elektrische
Wasserpumpe dafür verwendet werden. Es war zu
der Zeit aber nicht möglich, eine geeignete
Wasserpumpe zu bekommen, so lag das Projekt
mehrere Jahre auf Eis.
Seit ungefähr 6 Jahren bin ich im Kfz Gewerbe
tätig. In der Firma, in der ich zur Zeit
beschäftigt bin, werden auch Standheizungen
verbaut und die Wasserpumpe von einer solchen bot
sich für das Projekt an. Damit war das
Pumpenproblem beseitigt. Vor etwa 3 Jahren ergab
sich die Möglichkeit, Aluminium zu schweißen.
Nach dem der Zylinder verschweißt war, wurde er
noch beschliffen, damit die ungeübt wirkenden
Schweißnähte ansehnlich wurden. Danach konnte
der Zylinder auf den Motor montiert werden.
Der Kühler- und
Lüfterhalter
Der Halter für
den Kühler und die Lüfter, wurde aus Rohren von
einem alten Dachgepäckträger, einem Stück
Flacheisen und einem Stück Blech angefertigt.
Aus diesen Zutaten und einer Idee, ergab sich
nach ein paar Stunden Arbeit und ein wenig Farbe
aus einer Spraydose ein prima Kühler- und
Lüfterhalter.
Die Adapterstücke
und Schläuche
Dann waren noch
zwei Adapterstücke anzufertigen, die für die
Aufnahme der Temperaturschalter und
Temperaturfühler nötig waren. Die
Gewindestücke wurden auf der Drehbank
angefertigt, die dann auf die Rohrstücke (22 mm
Kupferrohr) aufgelötet wurden. Einer der
Temperaturschalter ist zum Schalten der
Wasserpumpe nötig, um sich ein Thermostat zu
sparen. Der Adapter sitzt in dem Vorlaufschlauch
zwischen Zylinder und Kühler. In dem gleichen
Adapter sitzt auch ein Temperaturfühler für die
Temperaturanzeige. Der zweite Adapter ist für
den Temperaturschalter, der die Regelung der
Lüfter übernimmt. Er sitzt in dem
Rücklaufschlauch zwischen Kühler und
Wasserpumpe. Die Schläuche stammen auch von
einer Standheizung.
Die Lüfter
Die angesprochenen
Lüfter (2) stammen aus PC Netzteilen, die beim
Ausschlachten von alten PCs gewonnen wurden, die
zur Zwangsbelüftung des Kühlers dienen sollten.
Die Elektrische
Schaltung
Dann wurde die
Elektrik noch verlegt und angeklemmt. Die
Überlegung ging dahin, daß die zusätzlichen
Teile der Wasserpumpe, Lüfter,
Temperaturschalter und Temperaturanzeige über
ein Relais 1 zu schalten und das mit einer
eigenen Sicherung zu versehen. So wurde ein
eigener Stromkreis für die zusätzlichen
Komponenten geschaffen. Die Schaltung ist auf dem
angefertigten Schaltbild 1 zu sehen.
Die Testreihen
Dann konnte der
erste Probelauf starten. Es viel nach kurzer Zeit
auf, daß die Temperaturanzeige sehr weit im
roten Bereich lag und der Motor mit
Zündaussetzer zu kämpfen hatte und abstarb.
Nach dem der Motor abgekühlt war, konnte man ihn
ohne Probleme wieder starten. Man ging davon aus,
daß die Temperatur fiel zu hoch ist. Darauf hin
wurden andere Temperaturschalter verbaut, mit
einer niedrigeren Schalttemperatur. Natürlich
passen die Temperaturschalter nicht in die
Adapter. Also mussten Neue angefertigt werden.
Nachdem das erledigt war, lief der Motor soweit
ganz gut. Der Unterschied war, daß der
Temperaturschalter für die Wasserpumpe ein
Öffner ist. Das bedeutet, daß er den Kontakt
unterbricht, wenn er seine Schalttemperatur
erreicht. Deswegen musste noch ein Relais verbaut
werden, das die Unterbrechung des
Temperaturschalters wieder umkehrt. Die Änderung
der Schaltung ist auf dem Schaltbild 2 zu sehen.
Nach weiteren Probefahrten ergab sich die
Erkenntnis, daß der Zylinder allein zur Kühlung
nicht ausreicht. Der Grund der Erkenntnis bestand
darin, daß der Motor wieder Zündaussetzer
hatte. Die Überlegung war, daß der Kühler den
Zylinderkopf vom Fahrtwind verdeckt und dadurch
Probleme mit der Zündkerze bekam, obwohl die
Zündkerze mit einem anderem Wärmewert benutzt
wurde. Also wurde noch ein wassergekühlter
Zylinderkopf angefertigt. Auf die gleiche Weise
wie den Zylinder (siehe oben). Danach musste der
Wärmewert der Zündkerze neu ermittelt werden.
Das ging mit mehreren Zündkerzen, alle mit einem
anderen Wärmewert, und mehreren Probefahrten.
Die optimale Zündkerze ist eine Isolator spezial
M14-225. Das ist daran zu erkennen, daß die
Elektroden schön rehbraun sind, also schön frei
gebrannt sind. Die Probleme mit Zündaussetzern
waren damit aber immer noch nicht beseitigt . Es
wurde überlegt, woran das noch liegen könnte.
Es wurde festgestellt, daß an der Zündspule zu
wenig Spannung anlag. Dann wurde sie über das
Relais 1 mit Strom direkt von der Batterie mit
Spannung versorgt. Bei der nächsten Ausfahrt
waren die Zündaussetzer trotz aller Änderungen
wieder da. Nach dem festgestellt wurde, dass der
Zündkerzenstecker und der Zündkabel
altersbedingt defekt waren, wurden sie durch neue
ersetzt. Nach weiteren Testkilometern waren
zunächst keine Zündaussetzer mehr vorhanden.
Nach einer längeren Probefahrt bei wärmerer
Außentemperatur waren die Zündaussetzer wieder
da. Nachdem man die warme durch eine kalte Kerze
(nicht Wärmewert) ersetzt hatte, konnte man ohne
Probleme weiterfahren. Alle 50 km, immer das
gleich Prozedere. Nach weiterer Überlegung kam
man darauf, daß der Zündkerzenstecker einen zu
hohen Widerstand hatte (5 Kilo Ohm), der durch
die lange Erwärmung wahrscheinlich noch größer
wurde. So groß, daß kein oder so geringer Strom
fliesen konnte, daß es nicht mehr zum Zündfunke
gereicht hatte. Der Zündkerzenstecker wurde
durch einen anderen ersetzt, der einen kleineren
Widerstand besitzt (1 Kilo Ohm ). Seit dem
gehören Zündaussetzer der Vergangenheit an.
Dafür ergab sich ein neues Problem. Dummer weise
wurde an dem Zylinder damals nicht nur
äußerlich etwas verändert, sondern auch im
Ansaugbereich wurden Veränderungen vorgenommen.
Der Ansaugbereich wurde soweit vergrößert, daß
eine Einlasssteuerung darin Platz finden sollte.
Diese Konstruktion erwies sich als
Fehlkonstruktion, die natürlich nicht
funktionierte. Dadurch wurde die Strömung in dem
Bereich so negativ verändert, daß man sich
Leistungsverlust selber eingebaut hatte. Deswegen
musste noch ein zweiten Zylinder angefertigt
werden. Auf den Bildern zur Geschichte sind die
Zylinder zu sehen. Nach dem alle Probleme mit
Zündung und Ansaugpfusch beseitigt waren, konnte
man ganz entspannt seine Runden drehen. Nach
weiteren Probefahrten ist mir aufgefallen, daß
bei längerer Wartezeit, zum Beispiel einer Roten
Ampel, die Temperatur höher wurde, ist aber ohne
Fahrtwind ganz normal, weil die PC Lüfter zu
klein sind. Es war leider kein Platz für
größere Lüfter vorhanden. Das eigentliche
Problem ist, durch den Fahrtwind ist die
Temperatur nicht wieder heruntergegangen, also
liefen die Lüfter ständig und das war nicht in
Sinne des Erfinders. Deshalb wurde noch ein
anderer Kühler angefertigt, der 6cm breiter ist.
Der neue Kühler stammt aus einem 353 Wartburg.
Er musste auch in der Höhe und in der Breite
verkleinert werden. In dem Zusammenhang wurde der
Kühler und Lüfterhalter so verändert, daß
zwei größere Lüfter in den Halter passten, die
beim Elektronikfachhandel zu bekommen waren. Um
sicherzugehen, daß reichlich Luft durch den
Kühler geblasen wird, wurde noch ein
Spannungswandler eingebaut, um den etwas
schwachbrüstigen Lüftern ein wenig auf die
Sprünge zu helfen. Die Einbindung ist auf dem
Schaltbild 3 zu sehen (Bilder zur Geschichte). Im
Lehrlauf hat der Spannungswandler bei einer
Eingangsspannung von 12 Volt eine
Ausgangsspannung von 24 Volt. Die 17 Volt
Ausgangsspannung ergibt sich aus der
Stromaufnahme der beiden Lüfter. Nach weiteren
Probefahrten war der Erfolg, daß die Temperatur
nicht mehr so hoch war wie zuvor und die Lüfter
nicht ständig liefen. Somit war das gesetzte
Ziel erreicht!
Das Ergebnis
Nach nun 3400
gefahrenen Kilometern kann man sagen: Es
funktioniert ganz gut. Nun war man schon bei
mehreren Motorradtreffen und die WasserEmme war
immer ein Hinkgucker und Pokale wurden auch schon
errungen!
Bemerkung
Wenn sich jemand
wundert, warum man an einem Motorrad, das eine 6V
E Anlage hat, 12V Bauteile verbaut? Dem sei
gesagt: dass 1986 die E Anlage von 6 auf 12V mit
einer ETZ Lichtmaschine umgebaut wurde.
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